4,6 % mehr Firmeninsolvenzen im November 2021 als im Vorjahresmonat

Im November 2021 haben haben die deutschen Amtsgerichte 1 094 beantragte Firmeninsolvenzenn gemeldet. Das waren 4,6 % mehr als im November 2020.

Damit stieg die Zahl der Firmeninsolvenzenn seit September 2019 erstmals wieder an. Im Vergleich zum November 2019, also vor der Corona-Krise, war die Zahl der Firmeninsolvenzenn um 22,6 % niedriger.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus den im November 2021 gemeldeten Firmeninsolvenzenn bezifferten die Amtsgerichte auf rund 0,5 Milliarden Euro. Im November 2020 hatten sie noch bei knapp 1,4 Milliarden Euro gelegen.

WirtschaftszweigVerfahrenVeränderung gegenüber
AnzahlNovember 2022 in %
Insgesamt1 094- 4,6
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei9+ 28,6
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden--
Verarbeitendes Gewerbe64- 12,3
Energieversorgung5- 66,7
Wasserversorgung; Abwasser und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen40,0
Baugewerbe205+ 26,5
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen172+ 11,7
Verkehr und Lagerei73+ 10,6
Gastgewerbe102- 22,1
Information und Kommunikation47+ 51,6
Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen17- 45,2
Grundstücks- und Wohnungswesen35+ 29,6
Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen115- 5,7
Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen113+ 3,7
Erziehung und Unterricht120,0
Gesundheits- und Sozialwesen23+ 4,5
Kunst, Unterhaltung und Erholung23- 32,4
Sonstige Dienstleistungen75+ 31,6
Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

Die meisten Firmeninsolvenzenn gab es im November 2021 im Baugewerbe mit 205 Fällen (November 2020: 162; +26,5 %). Im Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) waren es 172 Verfahren (November 2020: 154; +11,7 %). Im Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (zum Beispiel Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben, Unternehmensberatung, Ingenieurbüros, Forschung und Entwicklung, Werbung und Marktforschung) wurden 115 Insolvenzen gemeldet (November 2020: 122; -5,7 %).

INSOLVENZEN IN DEUTSCHLAND

Insolvenzverfahren

November 2021Januar bis November 2021
AnzahlVeränderung
gegenüber
November 2020
in %
AnzahlVeränderung
gegenüber
Vorjahrszeitraum
in %
Insgesamt9 606+ 122,0110 794+ 58,1
Unternehmen1 094- 4,612 832- 12,2
Übrige Schuldner8 512+159,497 962+ 76,7
davon
▪ Verbraucher6 231+ 181,473 520+ 87,9
▪ nat. Personen (Gesellschafter)45+ 136,8446+ 33,1
▪ ehemal selbstständig Tätige1 964+ 153,720 656+ 60,7
▪ Nachlässe272- 1,13 340+ 6,0

Sonderregelungen in den Jahren 2020 und 2021 durch Corona und Hochwasser

Beim zeitlichen Vergleich der Insolvenzzahlen für Unternehmen ist zu beachten, dass das Insolvenzgeschehen in den Jahren 2020 und 2021 von Sonderregelungen geprägt war. Von Anfang März 2020 bis Ende 2020 war die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen infolge der Corona-Pandemie ausgesetzt. Diese Regelung galt bis Ende April 2021 weiterhin für Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch ausstand. Für diese Unternehmen wurde die Pflicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens erst zum 1. Mai 2021 wieder vollumfänglich eingesetzt.

Beruhte der Eintritt einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Auswirkungen der Starkregenfälle oder des Hochwassers im Juli 2021, war die Insolvenzantragspflicht bis 31. Januar 2022 ausgesetzt.

181,4 % mehr Verbraucherinsolvenzen im November 2021 als im November 2020

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen hat sich im November 2021 mit +181,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat fast verdreifacht. Der starke Anstieg steht im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre. Die Neuregelung gilt für seit dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren. Sie ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren. Gegenüber November 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland, stieg die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im November 2021 um 30,0 %.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

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